Tobias Niedenthal

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History of Medicine/Pharmacy ● Medicinal plants in Europe ● Herbal anti-infectives ● Coordinating the Forschergruppe Klostermedizin (Research Group Monastic Medicine), Würzburg (Germany) -> klostermedizin.de

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In der Spätphase der NS-Krankenmorde wurde auf Tötungsstationen und in s.g. Kinderfachabteilungen mit Babituraten gemordet. Die Injektion überlebten viele Patient:innen zunächst. Sie starben an Lungenentzündungen. Es ist der Wirkstoff, der gesten einer Todenkandidatin in Tennessee verabreicht wurde.

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What about a game of merelles (Nine men's morris) BnF Latin 10286: including Nicolaus de Nicolai, De ludo scacchorum, tabularum et marellarum; 14th century (beginning) ff.1-184; France (North Artois for the first part); f.173v @gallicabnf.bsky.social

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Hey #medievalsky, the Department of Medieval History at the University of Bonn is here. Follow!

Willkommen beim Bluesky-Account der Abteilung für Mittelalterliche Geschichte der Universität Bonn! 🏰 Hier twittern die Mitglieder über Forschung, Veranstaltungen, Publikationen, Projekte und alles, was uns sonst beschäftigt. Wir freuen uns über reges Interesse und Austausch!

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Fun fact: Members of the AfD have said on several occasions in the German media that people should stop using Arabic numerals.

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"Aber seit 10 Jahren beobachten wir einen Knick. Es war offenbar der Eindruck, dass wir jetzt ganz gut dastehen und dass die große Aufholjagd geschafft ist. Und dann wurde das Thema Bildung nicht mehr ganz so wichtig genommen." www.t-online.de/nachrichten/...

t-online.deAktuelle Pisa-Studie: Deutsche Ergebnisse historisch schlechtRund 6.700 Schülerinnen und Schüler wurden im vergangenen Jahr auf Kompetenzen wie Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften getestet. Die Werte sind ernüchternd.

Heute lässt mich Hildegard nicht los, aus Versehen bin ich in den nächsten Kaninchenbau gestolpert. Hildegard und der amerikanische (!) Stechapfel. Ein Schwank seit 1855. Interessiert das hier wen?

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Nun mag es sein, dass manche Menschen nach dem Genuss von Stechapfel versuchen, den Teufel zu beschwören, aber eher nicht im Mittelalter. Und wenn Ihr in einer populären Quelle lest, Hildegard hätte den Stechapfel beschrieben: Hat sie nicht. Ein Franzose hat 1855 ein Wort falsch gelesen.

Und nix gegen Charles Daremberg, unsere Pioniere haben damals teils recht zügig in der Bibliothek transkribiert. Sie hatten keine hochauflösenden Digitalisate, noch nicht einmal miese Fotokopien, und somit auch nicht alle Zeit und Ruhe der Welt, um die kniffligen Wörter zu deuten.

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Im bekannteren dt. Kräuterbuch von 1543 sieht die kolorierte Abbildung so aus. Dort steht im Text: "Das dritt würdt in welschen landen Stramonia / unnd Pomum spinosum genent" (Fuchs beschreibt hier mehrere Nachtschattengewächse in einem Kapitel.)

Neben dem Lesefehler bei Hildegard werden aber auch noch andere "Belege" bemüht, die noch weit abwegiger sind. So sah man bspw. in estremoni aus dem Bereich der Schwarzmagie (!) Hinweise auf Stechapfel im Mittelalter. Vgl. dazu Cabré: www.researchgate.net/publication/...

researchgate.net(PDF) Dues notes de lèxic medieval: "estremoni" i "ereos"PDF | On Jan 1, 2008, Lluís Cabré published Dues notes de lèxic medieval: "estremoni" i "ereos" | Find, read and cite all the research you need on ResearchGate

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In seinem lat. Kräuterbuch 1542 hat Fuchs eine Abbildung und nennt im Text als Quelle für den Namen Stramonia Italien. Die Pflanze ist wohl der Indische Stechapfel (Datura metel). Nach dem allgemeinen Narrativ ist das der Ursprung für den botanischen Namen des Gemeinen Stechapfels (D. stramonium).

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Besonders ironisch ist Fischer-Benzon 1894, der erst auf die zahlreichen Fehler in der Ausgabe hinweist, aber dann doch Datura stramonium bei Hildegard nennt. Wenig später hat auch Julius Berendes, Pionier des Faches Pharmaziegeschichte, in der ersten deutschen Ausgabe "Stechapfel".

Damit war der Boden bereitet für besonders "kreative" Botaniker des 20. Jahrhunderts, die nach Belegen für die Gattung Datura außerhalb von Amerika fahndeten. Da hat dann schon mal der Grieche Dioskurides aus dem 1. Jh. den Perser Ibn Sina aus dem 10./11. Jh. zitiert, statt umgekehrt.

Heute lässt mich Hildegard nicht los, aus Versehen bin ich in den nächsten Kaninchenbau gestolpert. Hildegard und der amerikanische (!) Stechapfel. Ein Schwank seit 1855. Interessiert das hier wen?

Der Schwank beginnt mit Charles Daremberg 1855, der in der Ausgabe der Pariser Handschrift von Hildegards Naturkunde scammonia (Purgierwinde, Convolvulus scammonia) als stramonia verliest. Nicht einmal, sondern mehrfach, nämlich beim Muskatellersalbei in Cap. 162 und bei den Pilzen in 173.

Hildegard beschreibt in ihrer Naturkunde ca. 270 Pflanzen. Und je nach Maßstab sind davon 20 bis 30 Prozent unklar, von sehr rätselhaften Kapiteln wie 50 humela bis 39 Schierling, wo "nur" unklar ist, ob sie Gefleckten Schierling (Conium maculatum) oder Wasserschierling (Cicuta virosa) meint.

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Da sind wir aber zeitlich und örtlich weit weg von Hildegard und wissen nicht einmal sicher, dass sie Donner meint. Und für den Text haben wir überhaupt noch keine Parallele. Aber Reiner Hildebrandts Vorschlag Taubnessel würde ich hier sicher ausschließen, die passt gar nicht zum Inhalt.

Ein ziemlich schlechtes Zeichen ist, dass die deutsche Übersetzung, die in drei Hss. des 15. Jhds. überliefert ist, hier nur hymele ohne lat. Glosse hat. Schon rund 300 Jahre nach Hildegard hat man nicht mehr verstanden, was sie meinte, obwohl die Übersetzung wohl in ihrer Region angefertigt wurde.

Hildegard beschreibt in ihrer Naturkunde ca. 270 Pflanzen. Und je nach Maßstab sind davon 20 bis 30 Prozent unklar, von sehr rätselhaften Kapiteln wie 50 humela bis 39 Schierling, wo "nur" unklar ist, ob sie Gefleckten Schierling (Conium maculatum) oder Wasserschierling (Cicuta virosa) meint.

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Was bleibt dann noch? Es gibt natürlich diverse giftige Hummelpflanzen, nicht zuletzt Fingerhut (Digitalis). Der kommt bei Hildegard sonst nicht vor, passt aber nicht so gut zum Text. Für Wolfsmilch ist humesla belegt, aber die hat sie im folgenden Kapitel 51 eindeutig als woluismilch.

Oder meint sie hommel für den Donner? Das Wort hat vermutlich dieselbe Herkunft wie die Hummel und bedeutet brummen, summen, donnern. Gibt es eine psychogen wirkende Donnerwurz? Ja, das wäre ein alter schlesischer Name für den Hohlen Lerchensporn (Corydalis cava, Mohngewächse).

Hildegard beschreibt in ihrer Naturkunde ca. 270 Pflanzen. Und je nach Maßstab sind davon 20 bis 30 Prozent unklar, von sehr rätselhaften Kapiteln wie 50 humela bis 39 Schierling, wo "nur" unklar ist, ob sie Gefleckten Schierling (Conium maculatum) oder Wasserschierling (Cicuta virosa) meint.

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Es geht sicherlich nicht um den Hopfen (Humulus lupulus), denn den hat sie wenig später in 61 hoppo. Und 50 steht in einem kleinen Block zu Giftpflanzen von 48 Haselwurz und 49 Aronstab bis 51 Wolfsmilch und 52Tollkirsche. Etwas Struktur hat Hildegards Naturkunde schon, mit Betonung auf "etwas".

Vitus Auslasser hat 1479 humel als Name für den Kriechenden Günsel (Ajuga reptans), aber der passt überhaupt nicht zu Hildegards Text. Und auch humella als Glosse für binsuga (vgl. Cap. 59!) passt nicht, es kann sich hier nicht um eine Hummelpflanze aus der Familie der Lippenblütler handeln.

Hildegard beschreibt in ihrer Naturkunde ca. 270 Pflanzen. Und je nach Maßstab sind davon 20 bis 30 Prozent unklar, von sehr rätselhaften Kapiteln wie 50 humela bis 39 Schierling, wo "nur" unklar ist, ob sie Gefleckten Schierling (Conium maculatum) oder Wasserschierling (Cicuta virosa) meint.

Bei 50 humela ist vollkommen offen, was sie meinen könnte. Hat der Name etwas mit dem Tier zu tun? Möglich, aber unsicher, denn die Hummel in VI.67 wird fast immer mit -mb- oder -nb- geschrieben, die Pflanze aber ohne -b-. Hildegard beschreibt eine Art psychogene Wirkung, das schränkt ein.

Das erste strittige Kapitel in Hildegards Naturkunde ist 12 rado. Es steht zwischen den Ackerpflanzen (Cap. 1-11) und den exotischen Gewürzen (ab Cap. 13). Unsere Kandidaten sind dieses Mal: - Schwarzkümmel (Nigella) - Kornrade (Agrostemma githago) - Taumel-Lolch (Lolium temulentum)

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Und wenn wir nun die Beschreibungen seit der Antike anschauen, dann passt Hildegards Text deutlich besser zum Taumel-Lolch als zur Kornrade. Am besten eignet sich dafür neben Konrad (vgl. V. 55 rote chorn plüm) schon Dioskurides, der ebenfalls beide Pflanzen beschreibt (DMM II.100 und III.101).

Hildegard hätte natürlich auch einfach schreiben können, ob sie eine Blume oder ein (Süß-)Gras meint, aber dann wäre das wohl alles viel zu einfach und die moderne Forschung würde sich nicht seit mindestens Sprengel 1817 den Kopf zerbrechen.

Das erste strittige Kapitel in Hildegards Naturkunde ist 12 rado. Es steht zwischen den Ackerpflanzen (Cap. 1-11) und den exotischen Gewürzen (ab Cap. 13). Unsere Kandidaten sind dieses Mal: - Schwarzkümmel (Nigella) - Kornrade (Agrostemma githago) - Taumel-Lolch (Lolium temulentum)

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Die Kornrade ist giftig und der Taumel-Lolch kann nach Pilzbefall giftig werden, daher auch der Trivialname. Beides sind Ackerunkräuter, was die Stellung des Kapitels nach den Ackerpflanzen wie Getreide, Hülsenfrüchte und auch Nutzhanf erklären würde. Also, Blume oder Gras?

Mit den Namen alleine kommen wir nicht weiter, denn die sind hier fast alle ziemlich austauschbar, wurden aber auch für den Taumel-Lolch verwendet, wie sich durch Konrad von Megenberg rund 200 Jahre nach Hildegard belegen lässt (Buch der Natur, Cap. V.89).

Das erste strittige Kapitel in Hildegards Naturkunde ist 12 rado. Es steht zwischen den Ackerpflanzen (Cap. 1-11) und den exotischen Gewürzen (ab Cap. 13). Unsere Kandidaten sind dieses Mal: - Schwarzkümmel (Nigella) - Kornrade (Agrostemma githago) - Taumel-Lolch (Lolium temulentum)

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Peter Riethe nennt 2007 den Taumel-Lolch und bezieht sich dabei wohl vorrangig auf die Überlieferung seit der Antike. Reiner Hildebrandt sieht 2014 hingegen Kornrade und stützt sich alleine auf die Namen bzw. Synonyme in den Textzeugen. Wer liegt richtig?

Das erste strittige Kapitel in Hildegards Naturkunde ist 12 rado. Es steht zwischen den Ackerpflanzen (Cap. 1-11) und den exotischen Gewürzen (ab Cap. 13). Unsere Kandidaten sind dieses Mal: - Schwarzkümmel (Nigella) - Kornrade (Agrostemma githago) - Taumel-Lolch (Lolium temulentum)

Die Glosse nigella ist wohl verantwortlich dafür, dass insbesondere in populären Büchern der Schwarzkümmel bevorzugt wird. Aber wie soll das zu Hildegards Text passen? Heiß und trocken, nützt keinem Menschen im Essen, er bekäme Beschwerden, auch dem Vieh taugt es nicht sonderlich.

Wie schon bei Cap. 59, wo populäre Bücher gerne die Melisse sehen, will man hier offenbar eine heute populäre Pflanze in Hildegard hineininterpretieren und schaut sich dabei nicht einmal ihren Text an. So viel zum ganz allgemeinen Niveau der sg. "Hildegard-Medizin" seit den 1970ern.