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1️⃣ In Deutschland kennen wir dieses journalistische „Selbstexperiment“-Genre schon lange – und mit jedem Versuch wird es nicht besser, sondern peinlicher. Armut als Rollenspiel bleibt ein Zerrbild sozialer Realität.

Natascha Strobl@nataschastrobl.bsky.social

Es gibt so ein journalistisches Genre, das im Selbstversuch Armut oder Beschränkung nachspielt und es macht mich richtig grantig. Was soll das denn? Die Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel wird gesenkt und jetzt versuchen wir ausschließlich von Grundnahrungsmittel zu leben? Warum?

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2️⃣ Es sollte nicht schwer sein, die eigentlichen Probleme klar zu benennen: Rund 60 % des Vermögens gehören den reichsten 10 %, etwa 1–2 % den ärmsten 50 %. Kein Lifestyle, sondern strukturelle Ungleichheit mit Folgen für Zusammenhalt und Demokratie.

3️⃣ Wenn Journalist:innen solche Realitäten als amüsantes Experiment nachspielen, wird Armut nicht sichtbar gemacht – sondern verspottet. Wer jederzeit aussteigen kann, spielt mit etwas, das andere täglich erfahren.

4️⃣ Wir brauchen eine ernsthafte Debatte über Ungleichheit, nicht noch mehr zynische Selbstversuche. Sie zeigen vor allem eines: wie groß die Distanz zwischen Redaktionsstuben und Lebensrealität längst geworden ist.